Wer erinnert sich nicht an das aufgeregte Rascheln nach der Bescherung, die Vorfreude, wenn es funkelte und glitzerte. Wie man den Moment herauszögerte, bevor es ans vorsichtige Aufreißen bunt bedruckter Papiere ging, ans ungeduldige Aufschneiden besonders hartnäckiger Geschenkbänder. Gab es da nicht immer die eine Verwandte, die heruntergefallene Weihnachtspapierbögen vom Boden aufhob, sie sorgsam glattstrich und sagte, dass man die ja wohl nächstes Jahr noch verwenden könne? Wer erinnert sich an die vom Bruder huschpfusch in Zeitung eingewickelten Geschenke. An perfekt verpackte Packerl wie vom Profi, die natürlich eh vom Profi sind. An die superkreativen Pakete der besten Freundin und die sorgfältig ausgewählten Pakete von der Oma. Meistens braucht es da gar keine Geschenkanhänger; man sieht schon ganz gut, von wem welches Packerl kommt.

Die Recycler

Kaum sind die Geschenke ausgepackt, stürzen sie sich auf die Geschenkpapiere und archivieren sie fürs nächste Fest. Es soll Familien geben, in denen noch Geschenkpapiere aus den 1980er-Jahren im Umlauf sind, tausendmal gefaltet und mit Tixo verklebt. Für größere Geschenke werden da schon einmal zwei, drei unterschiedliche Papiere zusammengekleistert. Sicher umweltschonend, aber auf Dauer vielleicht ein bisschen fad. 
Andererseits sind Recycler nützlich, weil sie dafür sorgen, dass im Eifer des Gefechts etwaige Geldgeschenke nicht versehentlich im Altpapier landen.
 

Die Geschmackvollen

Dieser Einwickeltyp legt auf die Auswahl der richtigen Geschenkpapiere mindestens so viel Wert wie auf das eigentliche Geschenk. Hier ist das komplette Paket Programm. Mit großer Sorgfalt werden Verpackungen ausgesucht, die genau auf den jeweiligen Beschenkten abgestimmt sind. Altrosa für die beste Freundin, silbern für den Teenager und für die Tante etwas mit Engeln drauf. Hier wird schon lange vor dem 24. Dezember eingepackt, und jedes Packerl ist anders. Fast zu schön zum Auspacken. Möglicherweise ist die Verpackung sogar wertvoller als das, was drin ist.

Die mit den zwei linken Händen

Sie packen’s nicht. Glücklicherweise merkt man den Geschenken das Unvermögen ihrer Überreicher aber nicht an. Diese Typen schätzen schöne Gaben, sie haben bloß kein Talent, so etwas Schönes selber zu machen. Daher wählen sie fertige Geschenkverpackungen, thematisch passend bedruckte Tüten und Schachteln. Oder sie überlassen das Einpacken denen, die es können und wenden sich an den Verpackungsservice.

Die Kreativen

Für manche es nur eine Ausrede dafür, nicht rechtzeitig daran gedacht zu haben, Geschenkpapier zu kaufen. Andere sind wirklich kreativ. Jedenfalls machen sie ihr Geschenkpapier – oft in letzter Minute – selbst. Oder erklären bunte Magazinseiten, mit Wasserfarbe bemaltes Zeitungs- oder braunes Packpapier zum Einwickelpapier ihrer Wahl. Mit der richtigen Schleife wird dann auch noch ein Konzept draus. Schließlich kommt es ja auf die inneren Werte an.
 

 

 

- von Christopher Wurmdobler