Schenken ist eine Art Tauschhandel. Ein Geschenk bedeutet Anerkennung und Auszeichnung. Es ist der feste Aggregatszustand eines Gefühls, eine Materialisierung von Ich-hab-dich-lieb. Es hat ein bisschen was von einem Gegengeschäft. Und es ist eine Menge Arbeit. Beim Schenken kann unglaublich viel schiefgehen. Nichts ist schlimmer als ein unpassendes Geschenk, und das für beide Seiten.

Ohne hier irgendwelche Allgemeinplätze bedienen zu wollen, aber: Männer sind verdammt schlechte Schenker. Also viele Männer. Manche Männer. Ich. Wenn wir nach dem Auspacken erwartungsfroh die Gesichter aller Beschenkten beobachten, die sich nicht wie blöd über die neue Küchenmaschine, den Tischstaubsauger oder den hektisch zusammengemalten Gutschein für ein Wochenende im Billighotel in Jesolo freuen, können wir uns natürlich immer darauf ausreden, halt praktisch veranlagt zu sein. Küchenmaschinen, Tischstaubsauger oder Billighotels sind nun einmal wahnsinnig praktisch. Kann man immer gebrauchen. Im Idealfall ist das Opfer solcher Schenkattacken selbst praktisch veranlagt und freut sich tatsächlich wie blöd. In den meisten Fällen aber zaubern praktische Geschenke aus dem Heimwerkermarkt kein Lächeln auf die Gesichter.

Geschenke entstehen im Kopf

Geschenke sollen großzügig auf die Persönlichkeit eingehen und zu den Beschenkten passen. Und damit ist jetzt nicht Körpergröße oder Schuhnummer gemeint. Gut kommen Dinge an, die man sich selbst nie kaufen würde. Wenn man einander bis unter die Bettdecke kennt, kann man sogar als Mann wissen, was sich der Partner so wünscht. Kennt man sich noch nicht so gut, muss man es herausbekommen. Auch kein Mirakel. Man muss nämlich nur aufpassen. Wer erst zwei Tage vor dem Geburts- oder Jahrestag und kurz vor Weihnachten damit beginnt, wird mit diesem wertvollen Hinweis nicht weit kommen. Wer schon ein paar Wochen genauer zuhört, welche Themen immer wieder aufkommen, hat ganz gute Karten.

Schau, das ist für dich. Solange sich eine Frau noch freut, wenn ein Mann ihr ein Geschenk überreichen will, kann das vorige nicht so übel gewesen sein. 

Geschenkevorrat im Einpackzimmer

Als praktisch veranlagter Mann könnte man zum Beispiel eine Liste anlegen und jedes kleine Ach-ist-das-schön notieren, das beim Schaufensterbummel, beim gemeinsamen Internetsurfen oder beim Serienschauen entschlüpft. Fortgeschrittene machen sich nicht nur Notizen am Smartphone, sie kaufen auch ohne konkreten Anlass potenzielle Geschenke, wenn sie zufällig auf Dinge stoßen, die den Lieblingsmenschen vielleicht gefallen würden. Echte Profis habe einen extra Platz im Kasten, wo sie Geschenke oft Monate vor dem jeweiligen Termin horten. Es muss ja nicht gleich wie bei US-Serien-Star Tori Spelling zugehen. Angeblich haben die Spellings daheim einen speziellen Gift-Wrapping-Room, ein Geschenke-Einpack-Zimmer. Es genügt, die Sachen fein säuberlich mit Post-it-Zetteln zu versehen, damit es nicht zu Verwechslungen kommt. Für wen war nochmal der Tischstaubsauger?

Das eigentliche Geheimnis guter Geschenke ist: Mach es persönlich. Vor allem Männer geben sich beim Personalisieren von Geschenken immer noch zu wenig Mühe. Mit einem Geschenkpapier in der Lieblingsfarbe und einer schönen, wenn es die eigenen kreativen Kräfte zulassen, sogar selbstgestalteten Karte wird so ein mit Liebe ausgesuchtes Geschenk zum Knaller.

 

- von Christopher Wurmdobler -