Gäste kommen ungern mit leeren Händen, aber selten sind ihre Geschenke aus vollem Herzen. Dann lieber gar nichts, sagt meine Freundin, aber so geht das natürlich auch nicht. Sie hat Geburtstag. Da bringt man sich nicht einfach selber mit. Da will man ihr etwas geben. Der kleine Unterschied zwischen Geschenk und Mitbringsel. 

Bitte keine Geschenke, sagt meine Freundin, und die Bitte klingt ernst. Sie habe doch alles. Sie lädt zum Geburtstag ein, und das Geschenk seien wir, die Freunde. Menschen, die einander lange nicht mehr gesehen haben. Und die Zeit, die wir miteinander verbringen. Es muss etwas mit dem Alter zu tun haben, diese Bitte, auf Geschenke zu verzichten. Was wir da zunehmend mehr haben, ist weniger Zeit.

Bitte keine Umstände, sagt meine Freundin, und der Wunsch klingt echt. Sie brauche doch nichts. Je länger man einander kennt, desto schwieriger ist es, ein Geschenk zu finden. Herzenswünsche müssen andere erfüllen. Und Aufmerksamkeiten schenkt man sich lieber selber, weil einem die Zeit fehlt, darauf zu warten, bis die kleinen Wünsche im Alltag anderen überhaupt auffallen. Das große Gemeinschaftsgeschenk gibt es vielleicht zum runden Geburtstag, wenn alle zusammenlegen. Aber bis zu dem ist es noch lange hin.

Wunschlos glücklich

Also gut, dann eben nichts. Nur, dass sich Nichts nicht gut anfühlt für den Gast. Blumen und Wein sind Mitbringsel, auch wenn der Wein gut ist. Ein Geschenk ist mehr als ein Mitbringsel. Das wissen auch die  Geschenkverweigerer, die nämlich selbst durchaus gerne und gedankenvoll schenken. Das hat man ja gesehen zu Weihnachten. Wir schenken einander nichts, hatten wir geschworen, wir gehen auf einen Glühwein und kommen endlich zum Reden. Der Glühwein kam nicht zustande und von Ruhe war keine Rede, weil jeder so gestresst war, die Wünsche der Familie zu erfüllen.

Letztlich kam meine Freundin einfach so einen Sprung vorbei, mit selbst gebackenen Lieblingskeksen in einer besonders schönen Schale, umhüllt mit knisterndem Zellophan. Gilt ja nicht als Geschenk, ist selbstgemacht und daher mehr ein Mitbringsel. Und die Schale ist von irgendeinem Urlaub übriggeblieben. Was ein Geschenk ist und was nicht, darüber entscheidet offenbar immer der Schenkende.

Nimm's persönlich

Kann es auch sein, dass die Freundin keine Geschenke möchte, weil sie in den vergangenen Jahren so unpersönlich beschenkt wurde? Weil keine Zeit war für große Gedanken und mehr als ein paar hingekritzelte Zeilen auf einer Karte, die man kurz vorm Weggehen noch aus irgendeiner Schublade gekramt hatte, und froh war, dass ein neutrales Motiv drauf war. Geschenke sollen in Freude verpackt sein, nicht in das Gefühl, dass da Resteln verwertet worden sind.

So leicht mache ich es mir jedenfalls nicht mehr. Und ihren Wunsch werde ich auch nicht erfüllen. Ich werde das, was ich schenke, nur besser tarnen. Ein Foto auszusuchen, statt Dutzende digital zu versenden, es auszudrucken und in einen schönen Rahmen zu stecken, das ist kein Geschenk, sondern eine Erinnerung. Eine Stütze für ihr riesiges Kochbuch, mit dem sie so gerne kocht, das ist kein Geschenk, das ist praktisch, weil sie schlechter sieht als früher und der Nacken sie dann weniger schmerzt. Die paar hübschen Gläser mit meinem ersten selbstgemachten Pesto, die sind kein Geschenk, die sind ein Test für unsere Freundschaft.

Sie wird sich freuen, ganz bestimmt. Weil ich vielleicht endlich verstanden habe, was sie meint mit: bitte keine Geschenke.

 

- von Friederike Leibl-Bürger -