Eine Überraschungsparty zu planen, ohne dass sich jemand verplappert, ist ein Kunststück. Ein Buffet mit einem Mini-Studenten-Budget zusammenzustellen, ist eine Leistung. Ein Geburtstagskind, das aus allen Wolken fällt, eine Freude, für die sich das Schwitzen lohnt.

 

Christoph steht unten an der Tür, lehnt an der Laterne, kaut Kaugummi – unser Wachposten in Action. Da sieht er sie um die Ecke biegen und drückt auf Senden. Die WhatsApp-Mitteilung erreicht uns alle gleichzeitig: Lisa ist im Anmarsch. Lichter werden ausgeknipst, Handys auf lautlos gestellt, Kichern wird unterdrückt, das Kratzen im Hals verschluckt. Wenig später hören wir, wie der Schlüssel im Schloss kratzt und die Wohnungstür aufgeht. Wir sitzen im Dunkeln und halten den Atem an, nur das schwache Licht aus dem Hausflur kriecht zu unseren Füßen hin. Lisa legt den Schlüssel auf die Kommode und drückt auf den Lichtschalter. Kaum glüht die Birne, springen wir auf, werfen die Arme in die Luft und rufen: „Überraschung!“

Lisas Blick fällt in der Menge auf mich. Keine Ahnung, wie sie mich so schnell entdecken konnte. Im ersten Moment kann sie noch gar nicht lachen, so groß ist die Überraschung. Gelungen!, denke ich und grinse. Lisa, umringt von ihren Freunden, wird geküsst und umarmt. Sie kann es nicht fassen.

Man wird nur einmal 20

Ich habe diese Party zum 20. Geburtstag meiner besten Freundin Lisa schon seit Monaten geplant. Immer wieder alles über den Haufen geworfen und von vorne begonnen. Weil ich alles richtigmachen wollte. Wo sollten wir feiern? Wen sollten wir einladen? Hatten überhaupt alle Zeit? Ohne Lisas Bruder Markus hätte ich gleich zu Beginn das Handtuch geworfen. Meine Wohnung war zu klein, die von Lisa kam aus gegebenem Anlass nicht in Frage, eine Location zu mieten, war viel zu teuer. Markus löste das Problem und stellte sein Apartment zur Verfügung. Dort würde Lisa nicht ungefragt auftauchen, würde sich aber auch nicht wundern, wenn wir sie hinlotsten. Fehlte nur noch die Notlüge. Wir versicherten uns, dass der Zweck die Mittel heiligte, und luden Lisa zu einem gemütlichen Filmeabend ein. Wir klopften uns gedanklich auf die Schultern, als wir es ihr sagten, wir hatten uns ganz gefinkelt nicht für ihren Geburtstag, sondern einen Tag davor mit ihr verabredeten. Sonst hätte sie den Braten gerochen, da bin ich mir sicher. Später würden wir uns, ups, für die Verspätung entschuldigen, und Markus würde sagen, dass sie eh einen Schlüssel zu seiner Wohnung habe. Vielleicht nicht der beste Vorwand, um sie auszutricksen, geklappt hat es trotzdem.

Nächster Punkt: Welche ihrer Freunde sollten wir einladen. Und vor allem: welche nicht? Und wie kommunizieren wir, ohne aufzufliegen. Wir hielten Kriegsrat, erstellten eine WhatsApp-Gruppe und luden nur Freunde ein, die Lisas Kriterien entsprachen: Sie sollten lustig, nett und trinkfest sein. Was uns direkt zum wichtigsten Teil der Fete führt, den Getränken. Als Studentin konnte ich es mir nicht leisten, zwanzig Leute zu verköstigen. Und von jedem so was wie Eintritt zu verlangen, fühlte sich falsch an. Die Lösung: Jeder bringt etwas mit. Damit wir dann nicht mit zwanzig Packerl Chips und keiner einzigen Torte dastehen, wurde das Buffet strategisch geplant und mit jedem Einzelnen besprochen.

Happy Birthday, Lisa!

Für Markus und mich blieben die Deko und die Musik übrig. Wir kauften bunte Girlanden, Luftballons und ein paar Partyhüte, die sicher niemand freiwillig aufsetzen würde. Stundenlang bliesen wir die Ballons auf, ich mit meiner unsportlichen Lunge ein paar weniger als Markus. Fürs Konfettiverteilen langte mein Bizeps. Die Musik, eine Happy-Birthday-Playlist von Spotify, kam aus meinem Handy. Fertig. Die ersten Gäste trudelten wie ausgemacht eine Stunde vor Beginn ein. Aufregung machte sich breit. Kleiner Nervenkitzel für uns, große Überraschung für Lisa!

Die Hälfte der gelben Luftballons ist bereits zerplatzt, die andere schwebt noch fröhlich durch Markus‘ Apartment. Lisa sitzt neben mir, wischt sich die Freudentränen aus dem Gesicht und gönnt sich das zweite Stück Schokotorte. Bis sie sich beruhigt hat, wird es vermutlich auch noch ein drittes Stück werden.

 

- von Kathrin Schlager, sevenandstories.net -