Jeder kennt sie. Jeder mag sie. Jeder versteht sie. Sie sind die Zeichen unserer Zeit. Schnell. Witzig. Und weltweit verständlich. Manche können ohne sie keinen Satz mehr schreiben. Viele können damit erstmals über ihre Gefühle sprechen. Wenn es um Emojis geht, haben alle Herzerl in den Augen.

Absicht war es keine. Der junge Japaner Shigetaka Kurita hat bloß so vor sich hingekritzelt. Dass er mit diesen digitalen Icons sämtliche Sprachbarrieren einreißt, hat er nicht gedacht. Schon gar nicht, dass er etwas erfunden hat, womit sich auf einmal jeder mit jedem versteht. Weltweit. Seine Emojis sind mittlerweile Kult. Sie machen Nachrichten kurz, schnell und witzig. Sie beschwichtigen, wenn etwas nicht so ernst gemeint ist, wie es im ersten Moment klingen mag. Sie zeigen, was man richtig gut findet. Sie lassen keinen Zweifel daran, was ekelhaft ist. Schneller als mit Emojis schafft man es kaum, seinen Gefühlszustand auszudrücken. Mit Worten geht das jedenfalls nicht.

Mehr als zwanzig Jahre ist es jetzt her, dass Shigetaka Kurita Icons wie Sonne, Regenwolken, Schneemänner, Smileys, Martini-Gläser oder – hey, es waren die 1990er – Faxmaschinen zeichnete. Obwohl er sich von Manga-Comics und Kanji, chinesischen Schriftzeichen, inspirieren ließ, waren seine Zeichen recht einfach gestrickt. Aber bunt, im Gegensatz zu Doppelpunkt, Bindestrich und Kommas, mit denen man sich sonst zuzwinkerte.

Emoji ist die am schnellsten wachsende Sprache der Welt. Derzeit gibt es über 2.600 Zeichen, und täglich werden es mehr. Emojis gehören zu unserem Schriftbild, zu unserer Sprache, zu der Art, wie wir uns ausdrücken, und das ganz ohne Worte. Mit unterschiedlichen Apps kann sogar jeder seine eigene Emojis kreieren und damit zur Weltsprache beitragen.

Manchmal werden Stimmen laut, die sagen, dass wir nicht nur verlernen, mit der Hand zu schreiben, sondern auch unser Sprachgefühl verlieren. Das stimmt schon. Aber daran sind nicht nur Emojis schuld. Sie geben kurz und bündig einen Einblick
in Themen, die unter der gesellschaftlichen Decke brodeln. So ließ Apple das Pistolen-Emoji durch eine Wasserspritzpistole ersetzen. Und die 16-jährige in Wien lebende Saudi-Araberin Rayouf Alhumedhi konnte den Konzern überzeugen, dass
die Cyber-Welt unbedingt mit einem Hijab-Emoji bereichert werden müsse. Die Erfinderin des Kopftuch- Emojis wurde dafür vom Time-Magazin geehrt.

Übrigens: Das beliebteste Emoji ist immer noch das mit den Herzchen in den Augen.

- von Gabi Weiss -