- von Thomas Weber - 

Es gibt ein Leben vor dem ersten Schultag. Die einen wollen es von Regeln möglichst unbehelligt lassen. Andere wünschen sich, dass ihre Kinder nicht ganz unbedarft in den Schulalltag eintreten. Kinder auf die Schule vorbereiten, ist Elternsache. Praxistipps eines zweifachen Papas.

Tipp 1 - Vom „Ernst des Lebens“

"Sprechen Sie niemals vom Ernst des Lebens.“ Das war der Rat einer Lehrerin meiner Kinder beim allerersten Elternabend ein halbes Jahr vor Schulbeginn. Diese dumme Phrase solle man aus dem Wortschatz streichen, sagte sie.

Ich habe das beherzigt. Natürlich ist es ein Missverständnis, zu glauben, dass Schule immer Spaß machen muss. Lernen ist etwas Schönes, etwas zutiefst Befriedigendes. Da wird die Neugier auf Neues, Unbekanntes geschürt. Etwas, das man im Leben immer gut brauchen kann. Auf die Schule kann man sich freuen. Der Ernst des Lebens holt einen später wahrscheinlich eh noch ein. Trotzdem kann es nicht schaden, ein paar Tipps ernst zu nehmen.

Tipp 2 - Konzentration auf Zeichnen

Schon für Vorschulkinder gibt es wunderbare Arbeits- und Ausmalblätter und einfache Lernhilfen, die vor allem eines machen: Vergnügen. Zeichnen, Malen und Formen sind eine gute Übung zur Konzentration und helfen dem Nachwuchs, sich etwas Sitzfleisch anzueignen. Wenn Sie es schaffen, dass sich die Kinder dabei eine aufrechte Sitzposition angewöhnen, sind Sie Klassenbester in der Erziehung.

Tipp 3 - Der Schulweg ist das Ziel

Die allerletzten Tage vor Schulbeginn grooven Sie sich als Familie am besten gemeinsam darauf ein, miteinander den Schulweg abzugehen. Auch wenn es für die Kinder bequemer scheint, sie mit dem Auto vor der Schule abzusetzen: Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation sagt etwas Anderes. Kinder, die zu Fuß zur Schule kamen, sind deutlich wacher, konzentrierter und außerdem weniger aggressiv als die, die mit dem Auto gebracht wurden. Gesund ist das tägliche Mehr an Bewegung natürlich auch. Am besten ist man zu Fuß, mit dem Roller oder dem Fahrrad unterwegs, dann hat man auf dem Weg auch noch die Chance, neue Freunde kennenzulernen. Seien Sie dabei Vorbild: Vor allem das Handy hat in der Tasche zu bleiben. Es lenkt ab und ist später eine der großen Gefahrenquellen auf dem Schulweg.

Tipp 4 - Die gesunde Jause

Wer gemeinsam mit Kindern kocht, legt einen wichtigen Grundstein für ihre spätere Gesundheit. Sie erfahren etwas über den Wert von Lebensmitteln und woher Milch, Eier oder Käse kommen. Wer Urlaub auf dem Bauernhof gemacht hat, ist da einen Schritt voraus. Kresse oder Sprossen fürs Butterbrot und die Schuljause können Sie allerdings auch jetzt noch anbauen. Das Zubereiten der richtigen Schuljause im Alltag bleibt natürlich Elternsache. Für die allerersten Schultage kaufen Sie am besten gemeinsam ein, was in die Jausenbox kommt.

Tipp 5 - Stifte spitzen, Ordnung üben

Klingt banal, aber der richtige Umgang mit Werkzeug will zuerst gelernt und dann verinnerlicht sein. Spätestens im Spätsommer vor Schulbeginn sollten sie ihren Kindern vermitteln, wie sie ihre Habseligkeiten in Ordnung und stets einsatzbereit halten. Blei- und Buntstifte gehören gespitzt. Und dem Radiergummi muss man beibringen, immer am selben Ort gefunden zu werden. Es spricht absolut nichts dagegen, das Federpennal schon in den Ferien in Besitz zu nehmen – und es immer wieder gemeinsam zu kontrollieren. Auch beim Beschriften sollten die Kinder dabei sein.

Tipp 6 - Schule daheim

Auch wenn sie schon im Schulalter sind, haben viele Kinder Spaß, die Schule spielerisch nach Hause zu holen. Ermöglichen Sie das. Stellen Sie kleine Stehtafeln mit bunter Kreide auf. Tafelfolie, die man auf Möbel klebt, kann in Zukunft als
Merkhilfe für Notizen weiterverwenden werden. Und das Tolle: Wenn Sie Ihren Kindern beim Schulespielen zuhören, werden Sie indirekt mehr über ihren Schulalltag erfahren, als wenn Sie sie ausfragen.

Tipp 7 - Freunde finden

Viele Freundschaften werden mitgenommen. Denn meistens wechseln die Kinder ohnehin gemeinsam mit Freunden vom Kindergarten in die Volksschule. Wenn nicht, dann ist das auch kein Problem. Kinder knüpfen deutlich schneller Kontakte als die meisten Erwachsenen. Vermitteln Sie das Ihrem Kind und legen Sie alles darauf an, Freundschaft zu ermöglichen. Ein wenig Einfallsreichtum kann dabei nicht schaden. Hat ihr Kind im August oder September Geburtstag, dann machen Sie
es ihm schmackhaft, den Kindergeburtstag doch ausnahmsweise ein paar Wochen später zu feiern. Dazu lassen sich alle neuen Freunde einladen und im selben Aufwaschen lernen sich auch die Eltern besser kennen. Wenn man das Geburtstagskind im Familienkreis zum richtigen Zeitpunkt hochleben lässt, ist die Freude sogar doppelt so groß. Und es steht nirgends geschrieben, dass man den Kids nicht dabei helfen dürfte, Freundschaften zu schließen. Auch Eltern können die Initiative ergreifen und andere Eltern kennenlernen. Das erleichtert es den Kindern ungemein, neuen Anschluss zu finden.

 

THOMAS WEBER ist Vater von Adrian (12) und Klara (8),
Journalist, Buchautor und Herausgeber von BIORAMA.